Affordanz im Alltag: So erleichtert deine Umgebung deine Gewohnheiten

Stuhl mit Kleidung - Beispiel für Affordanz, die zu unbewusstem Verhalten und gestörten Routinen im Alltag einlädt

In meiner Arbeit als Ordnungscoach gibt es Sätze, die ich bei fast jedem neuen Einsatz höre:
„Ich nehme habe mir schon so oft vorgenommen jeden Abend aufzuräumen – und trotzdem halte ich immer nur ein paar Tage durch.“
Oder: „Ich verstehe nicht, warum ich einfach keine Routine reinbekomme.“

Geht es dir auch so?
Du bist nicht allein!

Sehr oft liegt es gar nicht an mangelnder Motivation oder zu wenig Disziplin.
Einer der Hauptgründe ist viel häufiger etwas, das wir kaum wahrnehmen — und das trotzdem ständig auf uns wirkt.

Unsere Umgebung. Besser gesagt: die kleinen Signale, die uns all die Dinge in unserer Umgebung senden. Und das ständig!

Der unsichtbare Einfluss im Alltag

Schau dich einmal kurz um.

Vielleicht liegt irgendwo ein Stapel Post. Vielleicht hängt Kleidung über einem Stuhl – DEM Stuhl, der in fast jedem Haushalt zu finden ist, als hätte man Stühle nicht zum drauf Sitzen erfunden, sondern als Klamottenablage. Vielleicht gibt es bei dir eine Ecke, die eigentlich nur eine vorübergehende Ablagefläche für Dinge sein sollte, aber zum Dauerärgernis mutiert ist.

Das ist kein Zufall.

Unsere Räume und Gegenstände vermitteln eine unterschwellige Botschaft. Manchmal laden sie uns ganz leise und freundlich ein, manchmal brüllen sie uns regelrecht an.

Dieses Prinzip nennt sich Affordanz.

Was ist Affordanz?

Affordanz beschreibt, wie Dinge oder Situationen uns animieren oder das Gefühl geben etwas zu tun oder reagieren zu müssen.

Eine freie Fläche sagt: „Hier kannst du etwas ablegen.“
Ein offener Korb sagt: „Wirf es einfach hinein.“
Ein wachsender Wäscheberg sagt irgendwann: „Bitte kümmere dich.“

Wir reagieren darauf meist automatisch — ohne bewusst darüber nachzudenken.

Und genau deshalb fühlen sich manche Gewohnheiten leicht an… und andere wie ein ständiger Kampf.

Warum Routinen oft nicht funktionieren

Viele Menschen versuchen, neue Gewohnheiten mit reiner Willenskraft durchzusetzen.

Sie nehmen sich vor:

  • Nach Feierabend den Schreibtisch aufzuräumen
  • DEN Stuhl frei zu lassen
  • Schmutziges Geschirr nicht auf, sondern gleich in die Spülmaschine zu räumen

Doch wenn die Umgebung diese Verhaltensweisen nicht unterstützt, kostet jede Handlung Energie.
Ich sehe das immer wieder bei meinen Einsätzen als Ordnungscoach: Menschen kämpfen gegen ihre Umgebung, statt mit ihr zu arbeiten.

Wenn der Weg zum Weglegen umständlich ist, bleibt etwas liegen.
Wenn es keinen klaren Platz gibt, entsteht ein Stapel.
Wenn etwas zu viele Schritte braucht, wird es aufgeschoben.
Wenn noch sauberes Geschirr in der Spülmaschine ist, muss man sie erst aufräumen. Das ist anstrengend.

Das ist kein persönliches Versagen. Das ist menschlich.
Unser Gehirn sucht immer nach dem einfachsten Weg.

Einladung und Aufforderung — zwei Seiten derselben Medaille

Es hilft, zwei Arten von Signalen zu unterscheiden.

Dinge, die zu etwas einladen

Der berühmte Stuhl lädt dazu ein, Kleidung abzulegen.
Die Oberfläche der Kommode im Flur wird zur Zwischenstation für die Post, Flyer vom Pizza-Lieferservice, kaputte Legofiguren der Kinder und diverse Schlüssel.

Die Gestaltung macht das Verhalten naheliegend.

Dinge, die etwas von uns verlangen

Ein voller Papierstapel erzeugt inneren Druck.
Unordnung im Raum fühlt sich mental schwer an.
Ein überquellender Korb erinnert ständig daran, dass etwas zu tun ist – einen anderen Platz für die Dinge im Korb finden oder sie aussortieren.

Beides beeinflusst, wie wir handeln — oft stärker als jede To-do-Liste.

Wie du deine Umgebung zu deinem Helfer machst

Die gute Nachricht ist: Du kannst diese Signale bewusst gestalten.

Schon kleine Veränderungen können einen großen Unterschied machen.

Mach es dir leicht

Wenn etwas zur Gewohnheit werden soll, muss es möglichst sichtbar und einfach sein.
Je weniger du nachdenken und Hürden überwinden musst, desto eher passiert es automatisch – und genau das ist das Ziel.

Reduziere Reibung

Frage dich:
Ist der Weg logisch? Ist er kurz? Ist er eindeutig?
Ist im Schrank genügend Platz um Dinge, die dorthin gehören, mit einem Handgriff dort einzuräumen?

Verändere die Einladung

Wenn dich etwas immer wieder stört, lohnt sich die Frage:
Wozu lädt mich diese Situation ein?
Manchmal reicht es, die Umgebung leicht zu verändern — und das Verhalten folgt.

Ein entlastender Gedanke

Vielleicht ist das Wichtigste, was ich dir mitgeben möchte:

Du bist nicht undiszipliniert!

Du reagierst auf deine Umgebung — so wie wir alle.

Wenn wir anfangen, Räume bewusst zu gestalten, müssen wir weniger kämpfen. Gewohnheiten entstehen dann nicht aus Druck, sondern fast von allein.

Eine kleine Praxisaufgabe für dich

Achte bewusst darauf:

Welche Stelle in deinem Zuhause lädt dich zu einem Verhalten ein, das du eigentlich verändern möchtest?

Oft liegt genau dort der Schlüssel (also der Schlüssel zur Lösung des Problems, nicht der Wohnungsschlüssel – der liegt ja irgendwo zwischen dem Zeug auf der Kommode im Flur).

Routinen entstehen nicht nur durch gute Vorsätze. Sie wachsen aus dem Zusammenspiel von Umgebung, Gewohnheiten und kleinen Signalen im Alltag.

Wenn du verstehst, wie diese Signale wirken, kannst du dein Umfeld so gestalten, dass es dich trägt — statt dich auszubremsen.

Und plötzlich wird Veränderung leichter, als du vielleicht gedacht hast.

Der Blick von außen

Vielleicht fällt dir bei Besuchen in anderen Wohnungen ja auf, wie Dinge und Abläufe dort besser und einfacher funktionieren. Beobachte, versuche die Ursache zu ergründen und zu überlegen, ob eine ähnliche Lösung auch bei dir eine Veränderung bewirken könnte.

Fazit

Manchmal sieht man die eigenen blinden Flecken leichter mit einem Blick von außen.

Wenn du merkst, dass du dir dabei Begleitung wünschst, unterstütze ich dich gern — oft reichen schon kleine Veränderungen, um spürbare Entlastung zu schaffen.

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